Alles grün. Jemand klickt.
Am 22. September 2026 halte ich in Dresden die Keynote des Workshops „Hochschule 2036: resilient“ auf dem Informatik Festival der Gesellschaft für Informatik. Der Titel: Alles grün. Jemand klickt. Der Untertitel: Warum Hochschulen Störungen so gut abfedern, dass sie nichts daraus lernen. Hier das Abstract.
Der Workshop „Hochschule 2036: resilient“ findet am 22. September 2026 im Rahmen des Informatik Festivals in Dresden statt.
Im Rechenzentrum hängt ein Bildschirm, auf dem neben jedem Dienst eine Farbe steht. Grün heißt: läuft. Ob der Dienst für alle läuft, die ihn brauchen, steht dort nicht. Und ob jemand von Hand nachhilft, damit er grün bleibt, auch nicht.
Beim Abfedern von Störungen sind Hochschulen Weltklasse. Beim Lernen daraus sind sie es nicht. Der Aufruf zum Workshop verlangt beides, neben dem Antizipieren. Warum das Abfedern dem Lernen im Weg steht, ist aus Krankenhäusern bekannt: Anita Tucker und Amy Edmondson haben dort schon vor über zwanzig Jahren beobachtet, dass Pflegekräfte über neunzig Prozent der Hindernisse umgingen, statt sie zu melden. Die Versorgung gelang, also sah das Krankenhaus kein Problem und änderte nichts.
Diesen Mechanismus verfolge ich an zwei Beispielen aus meiner eigenen Universität. Das erste ist ein Verwaltungsvorgang, der seit Jahren kaputt ist und trotzdem läuft. Was ihn am Laufen hält, steht in keinem Prozessdiagramm. Ich bringe ihn mit auf die Bühne.
Das zweite läuft tadellos: die Abwicklung einer Hausarbeit, von der Abgabe bis zur verbuchten Note. Viele umtreibt, dass Hausarbeiten inzwischen mit KI entstehen. Reagiert wird darauf mit Lehrinnovationsprojekten und neuen Prüfungsordnungen, in denen neuerdings häufig steht: Die Arbeit muss in einem Kolloquium mündlich verteidigt werden. Aus Bamberg zeige ich unseren eigenen Versuch mit dem Kolloquium. Er hat funktioniert. Wiederholt haben wir ihn nicht. Außerdem zeige ich drei andere Prüfungsformate, die wir seitdem ausprobieren.
Woran ich Resilienz messe: Eine Hochschule ist resilient, wenn sie heute weiterarbeiten kann, ohne die Fähigkeit zu verbrauchen, morgen anders zu arbeiten. In beiden Beispielen trägt uns ein Umweg um das Problem herum, und derselbe Umweg verbraucht, was wir morgen bräuchten. Warum Hochschulen solche Umwege dulden, und warum das für alle eine Rolle spielt, die Studienordnungen formal modellieren wollen, zeige ich mit Konzepten aus der Organisationsforschung.
Statt eines Reformplans bringe ich zwei Fragen mit. Eine an jedes neue Prüfungsformat: Steckt darin ein Moment, den sich niemand vorab zurechtlegen kann? Und eine an jeden Umweg, der sich eingespielt hat: Hat jemand entschieden, dass er bleibt?
Über Notfallpläne rede ich nicht. Notfälle sind dankbar: Sie sind selten, sie haben ein Datum, und wenn es kracht, machen alle mit. Ich rede über die Störung, bei der alles grün bleibt, weil jemand klickt.